Vierter Tag...
- 27.12.2007
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Der große Tag war gekommen. Morgens um 10 Uhr kamen schon die Frauen von „Snaga
žene“. Gemeinsam bauten wir die Pakete vor der Bühne im „Haus der Kulturen“ in
Srebrenica auf. Die Pakete sollten um 15 Uhr verteilt werden, vorher war noch
Theater angesagt. Pünktlich zur Aufführung tummelten sich auf einmal 300
Menschen in der Aula. Die Kinder, ihre Eltern und Großeltern. Zuerst wurde ein
berühmtes Theaterstück „Dugonja, Trbonja i Vidonja“ – „Der Lange, der Dicke und
der Seher“ vorgespielt.
In dem Theaterstück geht es um die Freundschaft zwischen den Menschen, es erzählt davon, dass der Mensch nicht alleine durchs Leben gehen kann, dass er diejenigen braucht, die ihm helfen können, Freunde auf die er sich verlassen kann. Die Komödie hat allen sehr gefallen.
Danach kam dann endlich der große Moment. Der Weihnachtsmann und seine fleißigen Helfer erschienen auf der Bühne. Unter der Bühne türmten sich die wunderschönen bunten Pakete. Jedes Geschenk sah anders aus. Es waren nicht klassische Geschenkpakete. Manche waren eher klein, die anderen sogar größer als ihre Empfänger. Jedes Paket hatte seine eigene Geschichte. Jedem Paket sah man an, mit wie viel Mühe und Liebe es zusammengestellt und verpackt worden war. Diese besonderen Pakete machten natürlich auch die Kinder neugierig. Viele Kinder und deren Angehörige waren extra aus den umliegenden Dörfern und Ortschaften angereist um an dieser Veranstaltung teilnehmen zu können. Nach und von Srebrenica aus fahren die Busse nicht alle halbe Stunde und somit kamen auch viele Menschen aus dem Umland mit dem Taxi angefahren. Schon wegen der Anreise war anzunehmen, dass die Geduld der Kinder und ihrer Angehörigen strapaziert war. Hinzu kam dann auch die Kälte in der riesigen Aula. Die Kinder waren ziemlich nervös, doch all das war vergessen, als endlich die Geschenkevergabe begann. Ihr Name wurde aufgerufen. Dann schritten sie nacheinander auf die Bühne um ihr Geschenk und den Brief abzuholen. Es waren nur noch vor Freude strahlende Gesichter zu sehen. Die Kinder nahmen ihre Geschenke mit nach Hause und packten sie dort aus, um diesen freudigen Moment mit ihren Angehörigen teilen zu können. Eine große Last viel uns von den Schultern, denn der Erfolg war offensichtlich. Kein Kind stand am Ende ohne Geschenk da. Es hatte wirklich alles funktioniert, wir waren sehr glücklich und zufrieden!
An den darauf folgenden Tagen trafen wir noch einige Kinder und fragten nach, was sie so bekommen hatten und ob sie zufrieden wären. Zum Beispiel hatte ein Junge ein T-shirt an, welches er u.a. geschenkt bekommen hatte und sagte uns stolz: „Seht mal, das T-Shirt habe ich bekommen. Es ist sogar neu. Echt super!“ Ein anderes Mädchen hatte ihrer Freundin stolz ihren Brief vorgelesen und sich unendlich über die netten Worte gefreut, sie wollte auf jeden Fall zurück schreiben. Die Reaktionen auf die Pakete waren durchweg positiv. Es war ein Erfolg auf ganzer Linie!
Doch auch die Arbeit musste weiter gehen. Die Drehaufnahmen liefen schon den ganzen Tag. Und viel Zeit gab es nicht mehr. Es dauerte die ganze Nacht, um den Rohschnitt fertig zu stellen. Aber das nahmen die Kinder und wir gern in Kauf. So gegen 4 Uhr morgens, 1000 Tassen Kaffee und unzählige Zigaretten später torkelten wir dann alle durch den nächtlichen Schnee nach Hause, um ein paar Stunden Schlaf zu finden.


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