Erster Tag...

Angekommen in Srebrenica sind wir am 24.12.2007, Heilig Abend.

Die Nacht war längst hereingebrochen, es war klirrend kalt und dicker Nebel hing in der Tiefebene, in der die kleine Stadt liegt. Wir, ein paar Dutzend der Weihnachtsgeschenke und unser Radio- und TV-Equipment näherten uns Kurve für Kurve der Stadt, die wir bis auf Renata nicht kannten und die uns, ehrlich gesagt, verunsicherte. Wie würden die Menschen auf uns reagieren? Würden sie unsere Idee mögen? Oder uns für neugierige Westeuropäer halten, die nur ihr Gewissen beruhigen wollen?
Den kleinen Laden von Fazila haben wir im Dunkeln und der Aufregung dieser ersten Nacht glatt übersehen. Potočari nicht. Der Laden liegt gleich gegenüber des Haupteingangs der Gedenkstätte. Fast 9000 Grabsteine erinnern dort an den unvorstellbaren, diesen unfassbaren Wahnsinn, der über den kleinen Luftkurort Srebrenica im Sommer 95 hereinbrach und der bis heute die Wahrnehmung und Wirklichkeit des Ortes bestimmt. Schon im Namen der Stadt scheint er widerzuhallen. Die Gegenwart läßt er nicht in Ruhe.

Es sind die Gräber, nicht die Lichter der Stadt, die den fremden Reisenden in Srebrenica willkommen heißen.

Neun Stunden lang hatte die Fahrt in Bertis weißem Bus von Zagreb (Kroatien) nach Srebrenica (Bosnien und Herzegowina) gedauert. Berti, der eigentlich Bernard Štauber heißt, ist der Bruder von Branka. Dank seiner Fahrkünste kamen wir gut über die kroatisch-bosnische Grenze und heil in unserem neuen Zuhause auf Zeit an.

Unser Camp war ein sehr nettes, kleines Haus, ziemlich zentral gelegen. Leider entpuppten wir uns gleich am ersten Abend dann doch als verwöhnte Westeuropäer mit technischen Schwächen. Das Feuer in der Ofenheizung ging uns noch in der Nacht aus. Draußen herrschten minus 10 Grad Celsius.

Zittern, Frieren und Versagen beim Feuer machen wurden in den nächsten Tagen zum vertrauten Begleiter. Doch wir verbesserten uns stetig. Am Tag der Abreise haben wir das Feuer am frühen Morgen sogar in Rekordzeit entzündet. Als wir abfuhren, waren wir angekommen.
Aber zurück zum ersten Abend. Wir waren hundemüde, aufgeregt und aufgekratzt. Weihnachten in Srebrenica…

Die ersten Eindrücke mussten erst einmal verarbeitet werden. Gut, dass wir Burek dabei hatten. Und genug zu trinken auch.

Zweiter Tag...

Ankunft, Ausladung von 300 Geschenkpaketen, Unterkunft und das Feuermachen...